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Durchgelesen und eine Sekte kennengelernt - Teil 214

  • berndhinrichs
  • 22. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit


Waco 1993: Ein Name, ein Trauma, eine Sekte

Mit dem texanischen Ort Waco werde ich immer den Namen David Koresh verbinden. Koresh war Anführer einer religiösen Sekte mit Sitz nahe Waco. Er verstand sich als Prophet und beanspruchte eine besondere religiöse Autorität. Innerhalb der Gemeinschaft übte er weitreichende Kontrolle aus, auch über familiäre und sexuelle Beziehungen. Im Februar 1993 versuchte die US-Bundesbehörde ATF (Bureau of Alcohol, Tobacco and Firearms), das Gelände der Gemeinschaft zu durchsuchen. Hintergrund waren Vorwürfe illegaler Waffenlagerung. Der Einsatz eskalierte in einem Schusswechsel, bei dem mehrere Menschen starben – darunter vier ATF-Beamte und sechs Mitglieder der Gemeinschaft. In der Folge begann eine 51 Tage andauernde Belagerung durch das FBI. Beim finalen Zugriff durch das FBI starben insgesamt 76 Menschen, darunter viele Kinder und David Koresh selbst. Bret Anthony Johnston hat die Ereignisse in seinem Roman We Burn Daylight aufgegriffen.


Zwischen religiösem Wahn und Jugendliebe

Mit We Burn Daylight verlegt Johnston seinen Roman ins Jahr 1993 nach Waco, Texas und greift diese reale Konstellation auf, gestaltet Figuren und Details jedoch fiktional. Im Zentrum stehen zwei Vierzehnjährige: Jaye und Roy. Jaye zieht mit ihrer Mutter auf das Gelände einer abgeschotteten Glaubensgemeinschaft, die von einem charismatischen Prediger namens Lamb geführt wird. Während die Mutter sich dem religiösen Führer zunehmend verpflichtet fühlt, beobachtet Jaye die internen Strukturen mit wachsender Skepsis. Roy ist der jüngste Sohn des örtlichen Sheriffs. Sensibel und nachdenklich, bewegt er sich zwischen familiärer Pflicht und eigener Unsicherheit. Als er Jaye begegnet, entwickelt sich zwischen den beiden eine vorsichtige Annäherung. Neben den wechselnden Erzählstimmen von Jaye und Roy integriert Johnston fiktive Podcast-Interviews aus der Gegenwart, in denen Beteiligte und Beobachter rückblickend auf die Ereignisse schauen. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild, das persönliche Erinnerungen, mediale Verarbeitung und historische Einordnung miteinander verbindet.


Wenn der Anführer zur Nebenfigur wird

In seiner Danksagung weist der Autor explizit darauf hin, dass er nicht die Geschichte von Koresh und seinen Anhängern aufschreiben wollte. Stattdessen verbindet We Burn Daylight mit einer Coming-of-Age-Geschichte. Klar sind die Parallelen zu tatsächlichen Ereignissen in Waco unübersehbar. Aber der Autor möchte gerne die Liebesgeschichte von Jaye und Roy erzählen. Das gelingt ihm mit dem Perspektivwechsel sehr gut. Johnston schafft es, dass nicht Lamb zur zentralen Figur wird. Was angesichts seiner charismatischen Anführerpersönlichkeit sicherlich eine große Herausforderung war.


Die Belagerung: Wenn die Story zur Geduldsprobe wird

Im Roman wie in der Historie belagert das FBI das Anwesen der Sekte. Im Roman konnte ich jede zähe Minute der Warterei nachempfinden. Denn We Burn Daylight zieht sich in der zweiten Hälfte. Roy sitzt vor dem Fernseher und Jaye sitzt bei ihrer Mutter. In der Phase des Romans werden die beiden zu Statisten. Zumal ich mir da auch mitunter die Frage gestellt habe, was lese ich hier eigentlich? Einen Tatsachenroman? Eine Coming-of-Age-Geschichte oder einen Thriller? Begeisterte Leser des Romans werden vermutlich sagen: Von allem ein bisschen. Aber da geht mir zu viel durcheinander.


Fazit: Fesselnd, aber nicht genug

Insgesamt muss ich feststellen, dass mir eine spannende Geschichte nicht reicht. Der Plot hat zwar Teile, in denen sich die Handlung zieht, ist aber insgesamt fesselnd. Aber nicht mehr. Das reicht mir nicht. Deshalb sieben von zehn Handgranaten.

 
 
 

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