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Durchgelesen und Land mit Autor kennengelernt - Teil 220

  • berndhinrichs
  • 19. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Als ich im Frühjahr 2022 nach rund 35 Jahren das zweite Mal zu Lenz' Deutschstunde griff, war mir noch nicht klar, was dieser Schritt für Folgen haben sollte. In den folgenden vier Jahren verschlang ich geradezu sein Werk und las mich durch die großartige Hamburger Ausgabe seiner Werke, die derzeit leider etwas ins Stocken gekommen ist. Ich entdeckte Lenz als meisterlichen Erzähler auf der Kurz- und Langstrecke. Zu seinem 100. Geburtstag hatte ich mir eine Biografie gewünscht. Maren Ermisch, mit der ich zu Lenz bereits ein ausführliches Interview führen durfte, hat mit Vertraute Nähe eine Art Biografie vorgelegt, die das Leben und Werk des Autors an Schleswig-Holstein bindet – mit Erfolg!


Lenz begegnet dem Land erstmals als Vierzehnjähriger im Winter 1940/41. Diese erste Erfahrung prägt ihn nachhaltig und wird zum Beginn einer lebenslangen Beziehung zu dieser Region. Die Autorin verfolgt Lenz’ Lebensweg im Kontext Schleswig‑Holsteins: seine Kriegserlebnisse und Kriegsgefangenschaft in Eiderstedt, sein Wirken und Leben nach dem Krieg und die Sommer in Tetenhusen, wo er viele Texte schrieb. Zentrale Schauplätze seiner Erzählungen, Novellen und Romane – etwa die Flensburger Förde, die Nordsee oder die Binnenlandschaften mit Karpfenteichen – werden als reale und literarische Orte verknüpft. Die Biografie zeigt, wie diese Landschaften in Werken wie Das Feuerschiff, Schweigeminute oder Deutschstunde eine große Rolle spielen.


Diese Biografie hat sehr viel Spaß gemacht. Zum einen ist sie eine Hommage an das nördlichste Bundesland, seine Menschen und seine Natur. Eben weil Lenz hier so tief verwurzelt war und im besten Sinne des Wortes ein Heimatdichter war – für diejenigen, die jetzt zusammenzucken: Lenz selber hat von sich behauptet einer zu sein. Zum anderen merkt man Ermisch die Recherchegenauigkeit an – sie ist Literaturwissenschaftlerin. Sie stützt ihr Buch nicht auf Gehörtem oder Mythen, sondern arbeitet sich an Lenz Texten ab. Es tut dem Buch gut, dass Ermisch auch längere Passagen aus Lenz` Werk zitiert, wenn dies vonnöten ist. Das dabei eine so flüssige, spannende und informative Lebensbeschreibung entstanden ist, hat mich tatsächlich überrascht. Denn ihr Buch ist alles andere als eine trockene Beschreibung von Lebensstationen.


Ich habe mich sehr gerne in Lenz und Schleswig-Holstein vertieft. Es macht Lust darauf die bekannten Romane und Erzählungen noch einmal zur Hand zu nehmen und Neues zu entdecken. Ich gebe 10 von 10 Wahlkämpfern.

 
 
 

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