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Durchgelesen und jüdisches Leben geteilt – Teil 238

berndhinrichs
18. Okt.
2 Min. Lesezeit

 

Ich weiß nicht, ob es anderen Lesern auch so geht. Mitunter kommt mir ein Cover unter oder eine Beschreibung und ich weiß, das Buch ist meins. So ging es mir bei Anton und Alma von Dana Vohwinckel. Ich bin im Sommer auf das Buch gestoßen in einer Vorankündigung des Suhrkamp Verlages, lange bevor es auf der Long- und später auf der Shortlist erschien. Ich sah das Cover und wusste: Mein Buch. Bleibt die Frage, ob es mich auch inhaltlich überzeugte.

 

Worum geht es? Anton und Alma lernen sich als Jugendliche bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen und treffen sich Jahre später in Berlin wieder, wo beide studieren. Sie stammen jedoch aus völlig unterschiedlichen Welten: Anton wächst behütet in einer jüdischen Akademikerfamilie auf, während Alma in einfacheren, eher lieblosen Verhältnissen am östlichen Stadtrand Berlins groß wird. Trotz ihrer Unterschiede verlieben sie sich ineinander, ziehen zusammen und führen eine turbulente Beziehung voller Nähe, Reibung und Versöhnung. Als Anton für seine Masterarbeit nach New York geht, bleibt Alma in Berlin zurück. Während dieser Zeit sucht und findet sie Halt und Trost in Antons jüdischer Gemeinde. Der Terrorangriff der Hamas auf Israel und der darauffolgende Gaza-Krieg brechen mit voller Wucht in das Leben der beiden jungen Menschen ein. Der aufkommende Antisemitismus und die gesellschaftliche Polarisierung verändern alles. Anton kehrt aus den USA nach Berlin zurück, und die beiden suchen in einer unsicher gewordenen Welt Halt beieinander.


Eine Liebesgeschichte also. Und doch so viel mehr. Ich habe schon lange keinen Roman mehr in den Händen gehalten, bei dem mir das Schicksal der Protagonisten so nah gegangen ist. Vohwinckel schafft Authentizität. Ihre Figuren wirken glaubhaft. Ich litt mit ihnen, ich liebte mit ihnen und trauerte mit ihnen. Rund 530 Seiten lang. Ich hatte zwar den Eindruck, dass die Autorin mindestens genauso gerne Zeit mit ihren Figuren verbringt wie ich, denn mir scheint es fast so, als hätte sie kein Ende gefunden. So kommt der Vorwurf in einigen Rezensionen, der Roman habe Längen nicht ganz überraschend. Allein, ich teile ihn nicht. Vohwinckel schildert uns das Leben von einem jungen Pärchen mit allen Höhen und Tiefen. Sie nimmt sich Zeit dafür. Mich hat es die Protagonisten nähergebracht – von Längen keine Spur. Und keine Sorge, das Ende der Geschichte kommt – mit einem Knall.


Beim Deutschen Buchpreis ging der Roman leer aus. Ob er es verdient hätte zu gewinnen? Aus meiner Sicht ja. Dewnn im Gegensatz zum Roman, der ausgezeichnet wurde, habe ich mich bei Anton und Alma keine Sekunde gelangweilt. Eine ergreifende Liebesgeschichte, die den Boden bereitet, für etwas viel Größeres. Ich gebe neun von zehn Chanukka.

 
 
 

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