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Durchgelesen und mit Caro Wahl in die Berge – Teil 236

berndhinrichs
vor 23 Stunden
2 Min. Lesezeit

Ein neuer Roman von Caroline Wahl. Kann man da eigentlich noch unvoreingenommen sein in der Kritik? Von den einen als belangloses Geschreibsel abgetan, von den anderen als junge literarische Hoffnung gefeiert. Ich habe ihre ersten drei Werke gelesen und fand sie sehr unterhaltend und intelligent erzählt. Umso gespannter war ich bei ihrem neuen Werk 1999 Meter über dem Meer.


Die Protagonistin Samara hat gerade ihr Studium abgeschlossen und steht vor der Frage, wie ihr Leben weitergehen soll. Ein vermeintlicher Traumjob in einer hippen PR- und Influencer-Agentur in Berlin-Mitte entpuppt sich schnell als ebenso öde und seelenlos. Als sie von ihren Eltern ein Auto geschenkt bekommt, beschließt sie, alles hinter sich zu lassen. Sie färbt sich die Haare knallorange, nutzt den Wagen als ihr neues Zuhause und fährt einfach Richtung Süden. Auf ihrer Reise durchquert Samara verschiedene Orte. Um der eigenen Realität und Leere zu entkommen, beginnt sie an jedem neuen Stopp, sich neue Namen und fiktive Lebensläufe auszudenken. Ihr Ziel ist hoch gesteckt: Es soll richtig weit nach oben gehen, und zwar nach St. Moritz in den Schweizer Hochalpen. In der glitzernden Welt von St. Moritz angekommen, passt sich Samara perfekt an. Sie behauptet kurzerhand, eine erfolgreiche Fotografin und Teil eines angesagten Künstlerkollektivs zu sein. Mit dieser frechen Behauptung führt sie die dortige Schickeria an der Nase herum. Während sie versucht, ihr wackeliges Lügenkonstrukt aufrechtzuerhalten, begegnet sie dem faszinierenden Fritz – einem Mann mit eisblauen Augen, der sie emotional tief berührt.


In meiner Buchhandlung habe ich gehört, dass Caro Wahl ein Interview gegeben hat, in dem sie sagte, dass sie ihre Erfolgswelle reiten wolle, solange es geht. Das sei ihr unbenommen. Allerdings – und das merkt man dem Buch auch an – leidet die Qualität darunter. Vier Bücher in vier Jahren – das ist ein hoher Ausstoß. Nach wie vor halte ich Caro Wahl für eine gute Autorin, ihren Schreibstil für frisch und unkonventionell. Bei ihrem neuen Werk hätte sie sich etwas mehr Zeit bei der Ausarbeitung der Story lassen sollen. Denn da war mehr drin.


Liest man einmal über die nervigen Hinweise zum Müller-Milch-Konsum hinweg, bleibt vor allem die dunklen Stimmungen einer jungen Frau hängen. Ein wichtiges, gutes und spannendes Thema. Aber leider bleibt das Thema ganz oberflächlich behandelt. Kurzer Hinweis und dann plätscherte die Geschichte weiter. Und das scheint mir der Hauptvorwurf: der Roman plätschert vor sich hin. Samara hat Depression, der Roman plätschert. Sie denkst sich Lügengeschichten aus, der Roman plätschert. Sie reist nach Bali, der Roman plätschert. Und schließlich trifft sie ihren Traumtypen und da hört für ein paar Seiten das Plätschern auf. Caro Wahl scheint mit einem mal voll und ganz bei der Sache zu sein – in einem kitschigen, samtweichen Zusammenhang, aber immerhin voll und ganz bei der Sache.


Der neue Roman des Social Media- und Marketing-Profis Caro Wahl konnte mich nicht überzeigen. Inhaltlich schwach, sprachlich gewohnt unkonventionell. Ich gebe 5 von 10 Hütten.

 
 
 

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